Festival Iran
Zum ersten Malveranstalteteein Rahmentrommeltreffen im Iran |
Bei „Tamburi Mundi - Iran“ trafen sich in Isfahan Rahmentrommler aus Europa und aus dem Iran, um dort gemeinsam im Austausch voneinander zu lernen und zusammen musikalische Quellen zu finden und daraus zu schöpfen. Persische Meistertrommler boten Workshops für Teilnehmende aus Europa an, für persische Perkussionisten wurden von europäischen Rahmentrommlern verschiedenste Rahmentrommeltraditionen in Workshops vorgestellt. Dank der Städtepartnerschaft Freiburg-Isfahan und unseren Partnern in Isfahan wurde die erste Ausgabe dieses Treffens geben.
In unserer Galerie haben wir einige Videos zum Festival "Tamburi International Iran 2008" zusammengestellt. Viel Spass beim Ansehen!
Ein Trommelworkshop im Iran vom 10.05.08 – 16.05.08
| Vor der Reise Was veranlasst jemanden (mich) in den Iran zu fahren? Ein Land, in dem immer noch Steinigungen stattfinden, Frauen mit Kopftuch herumlaufen müssen. Welche Fluchtmöglichkeiten gibt es? Woher nehme ich passende Kleidung für zwei Wochen – was ist erlaubt? |
Die Woche danach Der Blues. Seit meiner Ankunft höre ich nur noch iranische Musik. Meine Leselektüre: Iran. Danke für die Emails - meinen Reisekollegen geht’s nicht besser! Meine Bedenken waren völlig grundlos. Überwältigt von der Freundlichkeit der Menschen, von … |
Das Offizielle
Organisiert wurde die Reise von Murat Coşkun auf deutscher Seite und Herrn Fatehi im Iran jeweils mit Team und den Partnerstädten Freiburg und Isfahan. So reisten wir auf offizielle Einladung der Stadt Isfahan als Musiker in den Iran, um dort gemeinsam im Austausch voneinander zu lernen. Persische Meistertrommler boten Workshops für Teilnehmende aus Europa an, für persische Perkussionisten wurden von europäischen Rahmentrommlern verschiedenste Rahmentrommeltraditionen in Workshops vorgestellt.Es hatten sich insgesamt 24 Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz, Italien, England und Polen in unserer Gruppe zusammengefunden. Begleitet wurden wir von den Weltmusikern Murat Coşkun, Andrea Piccioni und Nora Thiele sowie Feri Tabrisi, unser Engel für alles.
Unterricht bekamen wir in jeweils einer Anfänger und einer Fortgeschrittenen Gruppe in den persischen Instrumenten Tonbak (eine Kelchtrommel) von Morteza Ghasemi und Daf (eine Rahmentrommel mit innen liegenden kleinen Metallringen) von Hamid Sheykhbahaei.
Die Zeiten 10.00-11.30/ 12.00- 13.30Uhr und 16.00 – 17.00/17.30 – 18.30 Uhr sind jedoch nicht immer so eingehalten worden, weder der Anfang noch der Schluss. An einem Tag stand zunächst ein Vortrag über die persische Musikgeschichte an, danach hatten wir Gelegenheit, uns an der Santur (persisches Hackbrett) und an einer Ney (Flöte) zu versuchen. Dies wurde von den Mitgliedern des Safa Ensembles gestaltet.
Zwischendrin
Da hat man nun Ferien und – wird von einem Vertreter des Ministeriums begrüßt. Mit der Zeit wuchs das Gefühl, dass unser Aufenthalt mehr Bedeutung für die Provinz Isfahan hatte, als wir ursprünglich glaubten. Unabhängig davon treten diese Mitarbeiter jedoch, wie auch in Deutschland üblich, nur zu besonderen Anlässen auf – hier also zur Begrüßung und Verabschiedung, so dass wir doch eine entspannte Atmosphäre während der Workshops hatten. Novum im Iran: Wir wurden in gemischten Gruppen unterrichtet. Die Abschlusssession durften wir sogar gemeinsam mit den Iranern gestalten.Der Tonbak Unterricht war hervorragend. Hr. Ghasemi hat es geschafft, sein Buch, ausgelegt auf 7 Monate intensives Üben, in nur einer Woche didaktisch gut aufbereitet zu vermitteln (das Üben wird uns wohl trotzdem nicht erspart bleiben), dazu gab er noch verschiedene Anleitungen zur Improvisation. Ganz anders der Daf Unterricht, ging es hier doch immer wieder etwas chaotisch zu – trotz Unterstützung durch seine Schülerinnen, sie durften jedoch aus dem Schatten ihres Meisters nicht hervortreten. Unser Verhalten, vor allem der weiblichen Teilnehmer, war wohl für unseren Scheich „etwas“ ungewohnt. Es hat trotzdem Spaß gemacht und ich habe eine ganze Menge gelernt. Manchmal musste ich sogar etwas über den Ablauf schmunzeln.
Leider sind öffentliche Konzerte kurz zuvor verboten worden. Unsere geplanten Konzerte mussten also ausfallen bis auf ein öffentlich - nicht öffentliches: Es konnte zwar jeder kommen, aber es wurde nicht bekannt gegeben. Der Saal war trotzdem gut gefüllt. Auch hier kamen die Offiziellen und es wurde für das Fernsehen aufgezeichnet. Private Aufnahmen durften die Iraner nicht machen, wir schon. Viele von uns hatten deshalb für einige Zeit plötzlich eine Kamera mehr!
Es gab noch einige Punkte, die mich sehr verwundert haben, doch dies würde hier den Rahmen sprengen und wahrscheinlich ein falsches Bild entstehen lassen. Meine positiven Eindrücke überwiegen bei Weitem. Ich habe noch nie ein Land mit so freundlichen Menschen gesehen. Fast jeder, dem man begegnete, grüßte. Viele versuchten ins Gespräch zu kommen. Bei der weiten Verbreitung von Englisch (vereinzelt sogar Deutsch) kein Problem. Sogar wichtige Verkehrsschilder waren zweisprachig. Eine andere Kultur kennen zu lernen war sehr interessant. Die Basare, die gepflegten Städte, das Verkehrschaos (jeder achtet jedoch auf den anderen) – einfach herrlich. Und es war auch gar kein Problem, mich mal alleine auf den Weg zu machen.
In der anschließenden Kulturreise an der immerhin noch 14 aus unserer Gruppe teilnahmen, konnten wir auch noch ein bisschen mehr von Land und Leuten kennen lernen, z. B. eine 6000 Jahre alte Burganlage und das berühmte Persepolis, 50 Jahre älter als die Akropolis; eine Einladung unserer gesamten Gruppe zum Tee – einfach so im Vorbeigehen. Gibt’s so was in Deutschland?
Impressionen
Ein Teil der Gruppe beim Daf-Spielen
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Andrea Piccioni, Nora Thiele, Murat Coşkun
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![]() Tonbaklehrer Morteza Ghasemi mit seinem Sohn
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Daflehrer Hamid Sheykhbahaei, Tonbaklehrer Morteza Ghasemi
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Es ist außergewöhnlich, was mit dieser Reise und diesem Festival gelungen ist.
Immer wieder sind es die Künstler die Brücken über menschliche und weltanschaulich-ideologische Grenzen bauen.
Wenn sich die Menschen unmittelbar ohne Vorurteile begegnen, dann gibt es nur dies: Spiel, Interesse und Freude an der Erfahrung des Anderen.
Für die Musiker und Teilnehmer aus Europa und Isfahan war das ein großartiges Erlebnis.
Isfahan ist eine wunderschöne, lebendige und geschichtsträchtige Stadt mit wunderbaren Menschen.
Es ist als Signal der Verständigung und Herzlichkeit zu werten, mit welchem Interesse sich die Musiker und Teilnehmer begegnet sind.
Getragen war all dies von der iranischen Musik und den Rahmentrommeln aus Europa.
Dass Männer und Frauen gemeinsam in einem Raum Unterricht haben können, dass Konzerte überhaupt stattfinden, all das ist nicht selbstverständlich.
Freiheit beginnt immer im Denken der Menschen und ist immer neu zu erobern im Bestehenden. Dazu ist offene Kommunikation und Toleranz nötig.
Die Iranierin Feri Tabrisi aus Freiburg war eine kundige und wunderbare Begleiterin.
Die Gastgeber aus Iran haben sich alle erdenkliche Mühe gegeben, wofür man dankbar sein kann.
Ich möchte die Herzlichkeit, die Jugendlichkeit, die tiefe Musikalität und Virtuosität der iranischen Musiker hervorheben, die einen meistens hervorragenden Unterricht gaben.
Viele junge Isfahaner waren begeistert durch Murat, Nora Thiele, Andrea …Unterricht zu bekommen.
Der Austausch sollte unbedingt fortgesetzt und vertieft werden.
Herzlichen Gruß
Kai Hansen
Nürtingen


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